Allgemeine Informationen zu Hernien

 

In der Medizin spricht man von einer Hernie, wenn man einen Eingeweidebruch meint. Dabei handelt es sich um eine angeborene oder erworbene Lücke in den Bauchwandschichten, durch die Eingeweide treten. Bruch meint hierbei eine Art Riss in den Schichten der Bauchwand. Man unterscheidet innere und äußere Hernien. Eine Voraussetzung für die Entstehung einer Hernie ist eine Schwachstelle in der Bauchhöhlenwand, die entweder angeboren ist oder im Verlauf des Lebens entsteht - beispielsweise durch Operationen, Verletzungen oder Bindegewebsschwächen.

 

Ist die Hernie von außen zu erkennen oder führt die Vorwölbung, die bei einem Bruch entsteht, vom Körperinneren in Richtung Haut, spricht man von einer äußeren Hernie. Liegt die Hernie innerhalb des Körpers (z.B. zwischen Brust- und Bauchraum), nennt man sie innere Hernie. Die häufigsten äußeren Brüche sind Leisten-, Nabel-, Narben-, beziehungsweise Bauchwand- und Schenkel-Hernien und der häufigste innere Bruch ist die Zwerchfellhernie. Da Weichteilbrüche sich nicht zurückbilden, sondern mit der Zeit größer werden, sollten Hernien mittels Hernienchirurgie versorgt werden, sofern der Gesamtzustand des Betroffenen eine Operation zulässt.

Hernienarten im Überblick

 

 

Da die häufigsten auftretenden Hernien die Leisten-, Schenkel-, Nabel-, Narben-,Zwerchfell-, und parastomale Hernien sind, werden diese in der Folge beschrieben.

 

Leistenbruch (Leistenhernie, Inguinalhernie)

 

Die Leistenhernie ist mit 80 Prozent die häufigste Form der Hernie. Männer sind neunmal so oft betroffen wie Frauen. In 10 Prozent der Fälle tritt der Leistenbruch auf beiden Seiten auf. Der Bruch liegt oberhalb des Leistenbandes. Meist kommt es zunächst zu einer schmerzfreien Vorwölbung in der Leiste. Schmerzen treten oft erst bei körperlicher Anstrengung oder bei längerem Sitzen auf. Im Liegen verschwindet die Vorwölbung in der Regel wieder. Da es je nach Größe des Bruches zu einer Einklemmung von Darm mit einem möglichen nachfolgenden Absterben von Darmabschnitten kommen kann, ist die Hernienchirurgie unabdingbar.

Schenkelbruch (Schenkelhernie, Femoralhernie)

 

Schenkelhernien treten überwiegend bei älteren Frauen auf. Hier kommt es zu einem Bruch unterhalb des Leistenbandes, so dass die Vorwölbung meist auf der Oberschenkelinnenseite zu sehen ist. Anders als die Leistenhernien sind die Schenkelhernien in der Regel von Anfang an schmerzhaft. Und weil es auch hier zur Einklemmung von Darmanteilen kommen kann, wird eine Schenkelhernie ebenfalls mittels Hernienchirurgie versorgt.

 

Nabelbruch (Nabelhernie)

 

Bei den meisten Betroffenen verursacht der Nabelbruch keine Beschwerden. Allerdings kommt es bei diesem Bruch zu einer mehr oder weniger deutlichen Vorwölbung im Bereich des Nabels. Da auch beim Nabelbruch Darmeinteile eingeklemmt werden können, sollte hier ebenfalls eine Versorgung mittels Hernienchirurgie erfolgen. Die Hernienchirurgie findet bereits bei kleinen Nabelbrüchen Anwendung, weil es auch hier zu Einklemmungen kommen kann. Nabelhernien hingegen, die direkt nach der Geburt auftreten, bilden sich meist spontan zurück. Falls nötig, werden sie bandagiert, aber in der Regel nicht mittels Hernienchirurgie behandelt.

Narbenbruch (Narbenhernie, Bauchwandhernie)

 

Eine Narbenhernie ist ein im Bereich von Operationsnarben auftretender Bruch der Bauchdecke. Wundinfektionen und Wundheilungsstörungen oder mehrfache Operationen können das Auftreten einer Narbenhernie begünstigen. Aber auch Bindegewebsschwächen oder Übergewicht können zu Narbenbrüchen beitragen. Dabei kommt es im Bereich der Operationsnarbe zur Vorwölbung von Organen der Bauchhöhle, die oft zu einem ziehenden Schmerz im Bereich der Narbe führen. Und weil auch Narbenbrüche im Laufe der Zeit größer werden und die Gefahr der Einklemmung von Darmanteilen bergen, sollte eine Hernienchirurgie durchgeführt werden.

 

Zwerchfellbruch (Zwerchfellhernie)

 

Liegt ein Zwerchfellbruch vor, können Organe aus dem Bauchraum durch die Lücke des Zwerchfells in den Brustraum gleiten und eingeklemmt werden. Genaugenommen handelt es sich bei der Zwerchfellhernie nicht um einen Bruch, sondern um eine Vergrößerung der Stelle, an der die Speiseröhre durch das Zwerchfell zum Magen gelangt. Die Vergrößerung dieser normalen vorgegebenen Lücke kann aufgrund einer Bindegewebsschwäche oder einer länger andauernden Erhöhung des Drucks im Bauchraum (z.B. Schwangerschaft, Übergewicht) entstehen. Das kann zu Schmerzen führen, insbesondere nach dem Essen oder im Liegen, weil dann Magensaft in die Speiseröhre zurückfließt. Auch ein solcher Bruch bedarf der Hernienchirurgie.

 

Stomabruch ( Parastomale Hernie )

 

Eine Stomahernie ist ein Bauchwandbruch im Stomabereich. Durch die künstlich geschaffene Öffnung, durch die der Darm für das Stoma nach außen geleitet wird, ist in der Bauchwand eine Schwachstelle entstanden. Schweres Heben oder viel Sport können diese Stelle überlasten. Dann kann sich eine sogenannte parastomale Hernie, also ein Bauchwandbruch neben den Stoma, entwickeln.

Eine Hernie ist eine recht häufige Komplikation nach einer Stoma-OP. Die meisten Hernien entstehen langsam, über einen Zeitraum von Monaten oder Jahren. Es kann jedoch auch vorkommen, dass sie bei starken Belastungen ganz plötzlich auftreten. Einen Bauchwandbruch erkennt man daran, dass sich die Bauchdecke neben dem Stoma vorwölbt. Diese Wölbung entsteht dadurch, dass sich Darmschlingen durch eine Muskellücke in der Bauchwand nach außen drücken.

Grundsätzlich wird Stomaträgern empfohlen, nicht mehr als zehn Kilogramm zu heben und beim Sport darauf zu achten, dass die Bauchmuskeln nicht zu stark beansprucht werden. So lässt sich einer parastomalen Hernie am besten vorbeugen.