BÜRSTADT - „Heb dir bloß keinen Bruch!“. Diese Mahnung kennen viele aus ihrem Alltag, wenn vor allem Kinder oder Jugendliche beim Transport von mehr oder weniger schweren Gegenständen behilflich sein wollen. Wenn Eltern Angst haben, dass sich ihre Kinder „einen Bruch heben“, denken sie in der Regel an einen Leistenbruch.
In diesem Fall kann es sein, dass Bauchfell und Darmschlingen durch eine Lücke in der Bauchdecke nach außen gleiten. Durch diese Lücke verläuft im Normalfall beim Mann der Samenstrang, bei der Frau dient sie zum Fixieren der Gebärmutter durch Bänder. Bei einem Leistenbruch kommt es zu einer von außen deutlich sichtbaren Wölbung der Haut, einer sogenannten „Hernie“.
Allein in Deutschland sind etwa 140 000 Menschen von Hernien betroffen, wobei neben Leistenbruch auch Narben-, Bauchnabel-, Oberbauchbruch und Zwerchfellbruch, aber auch noch schwerwiegendere Fälle vorkommen. Die einzige Möglichkeit, eine Hernie zu beseitigen, ist die Operation, da sie sich nicht von alleine zurückbilden kann.
Für Betroffene als auch Angehörige ist ein Austausch persönlicher Erfahrungen bezüglich Vorbeugung, Behandlung und möglicher Risiken besonders wichtig. In der Familie von Sibylle Schmenger ist ein Familienmitglied mit Hernien konfrontiert. Die Recherchen der Bürstädterin haben ergeben, dass es in Hagen (Nordrhein-Westfalen) die einzige Selbsthilfegruppe für Patienten mit Hernie in Deutschland gibt. „Es ist davon auszugehen, dass auch in unserer Region Betroffene leben, die mit ihren Problemen auf sich gestellt sind“, erläutert Sibylle Schmenger in einem Pressegespräch. Dabei sei die Dunkelziffer vermutlich höher, als die Statistik ausweise. „Deshalb möchte ich einen Stammtisch ins Leben rufen, um mit Hernie-Betroffenen und deren Angehörigen ins Gespräch zu kommen und Informationen zum Beispiel über Vor- und Nachbehandlung auszutauschen, mit der Option, bei entsprechender Nachfrage in Bürstadt eine Selbsthilfegruppe aufzubauen“, erläutert die Bürstädterin.
Schmenger hat bereits Kontakt mit Professor Dr. Friedrich Kallinowski aufgenommen, der in Hamburg das Labor für Hernien-Forschung geleitet hatte, ehe er an das Uni-Klinikum in Heidelberg wechselte. Der Facharzt und Chirurg befürwortet die Bemühungen zur Gründung der Selbsthilfegruppe ausdrücklich.
Dies könnte in Bürstadt gelingen, wenn mindestens sechs Betroffene zusammenfinden. In diesem Fall sind weitere Aktivitäten möglich, zu denen zum Beispiel Fachärzte und Referenten eingeladen werden, die sich unter anderem mit der Fragestellung beschäftigen „Wie kann ich einen weiteren Bruch verhindern?“ oder „Wie kann ich einer Narbenhernie vorbeugen?“
Der erste Stammtisch ist für Samstag, 23. Februar um 18 Uhr im Ratskeller, Peterstraße 24, in Bürstadt geplant. Zur besseren Planung wird darum gebeten, dass sich Interessierte bis zum 18. Februar per E-Mail unter der Adresse herniebuerstadt@yahoo.com oder telefonisch unter 0179-3 79 03 25 bei Sibylle Schmenger melden. Sollten Interessenten an diesem Termin verhindert sein, an einem Stammtisch oder einer Selbsthilfegruppe dennoch teilnehmen wollen, können sie dennoch Kontakt mit der Initiatorin aufnehmen. Entsprechende Hinweiszettel liegen auch in den regionalen Arztpraxen aus.

Helmut Kaupe, Bürstädter Zeitung, Februar 2019